Wo die Inkas weinen…

Das Wochenende stand schon bald wieder vor der Tür, bei so vielen Klettersessions geht das echt schnell. Der Donnerstag war als Vorbereitungstag für unseren Klettertrip nach „Inka Waqanqa“ geplant. Stellten wir uns am Mittwochabend noch die Frage, was wir denn den ganzen Tag so vorbereiten, so wurde dies bald beantwortet. Während einige von uns morgens in die Stadt mit einigen CAWAY-Mitgliedern zum Einkaufen gefahren sind, machte Toby sich auf die Socken, um die Expeditionspostkarten loszuschicken. Bei über 100 Stück hatte er da einige Briefmarken aufzukleben. Mal schauen, wann sie bei euch im Postkasten landen und ob denn alle ankommen. Der Rest des Teams baute derweil unsere Zelte mal zur Probe auf und sortierte Material. Das Einkaufsteam kehrte am frühen Nachmittag mit unzähligen Tüten unbekannten Inhalts bepackt ins Hostel zurück und berichtete, dass an verschiedenen Ständen Obst und Gemüse gekauft worden war: eine Paprika hier, drei Papayas dort, 20 Orangen nebenan. Als das Essen in vier (!) Holzkisten und unsere sechs Seile und die vielen Exen in den Duffels verstaut waren, futterten wir uns gemeinsam im „El Fogon“-der Polleria unseres Vertrauens- satt.

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Der nächste Morgen begann früher als sonst. Leider verzögerte sich die Abfahrt etwas, da der Kleinbus auf solche Berge von Gepäck nicht ausgelegt war. Nach einigen Diskussionen (Was braucht weniger Platz, Seile oder Crashpads?!) wurde dann einfach beschlossen, alles auf’s Dach zu packen und so konnten wir als überdimensionaler Maulwurfshaufen losschaukeln. Unsere Rucksäcke waren, im Gegensatz zu einem der Crashpads, glücklicherweise durch ein Netz gesichert und so konnten wir bei jedem Straßenhubbel – und davon gibt es reichlich – in unserem Schatten überprüfen, ob noch alles da ist. Die Fahrt über das weite Andenhochland mit den schneebedeckten Bergen im Hintergrund ist wunderschön! Trotzdem freuten wir uns, als wir in „Inka Waqanqa“ (wörtl. „wo die Inkas weinen“) ankommen: die einen über die unglaublichen Felsen und die anderen über die Esel, Hühner und Schweinchen im Camp. Das Camp kann man wohl am ehesten noch als spartanisch bezeichnen. Gleich am Eingang wird man von einem Skelett (Esel?) begrüßt und auch sonst sollte man einen entspannten Umgang mit den allgegenwärtigen Knochen haben (Schulterblätter geben ja auch praktische Schaufeln ab). Nach dem Aufbauen der Zelte ging es auch schon an die darübergelegenen Felsen. Während die einen sich an den Plattenklettereien die Zähne ausbissen, genossen die anderen unglaubliche Wabenstrukturen ein paar Meter weiter. Auch wenn man beim Schnaufen deutlich merkt, dass die Felsen auf über 4000m liegen, konnten wir die Kletterei in vollen Zügen genießen und viel zu schnell ging die Sonne unter und es wurde saukalt. Unten im Camp wurden wir mit einem luxuriösen Abendessen aus Suppe und gebratenem Fisch mit Gemüse und Reis verwöhnt. Nachdem wir Konsti‘s Tipp zum Lagerfeuer aus getrockneten Kuhfladen (funktioniert in Nepal ja auch) aus Rauchgründen wieder verworfen und Holz gesammelt hatten, konnten wir den Tag auch gemütlich am Lagerfeuer ausklingen lassen.

Nach einer Nacht unter einem unglaublichen Sternenhimmel, weckte uns die Sonne pünktlich zum Frühstück am nächsten Morgen. Vormittags probierten wir die Wabenstrukturen der Felsen an anderer Stelle aus und konnten uns so richtig austoben! Nachmittags machten einige noch einen Abstecher auf die „Gipfel“ der Felsen und entdeckten dort eine riesige Spielwiese bizarr geformter Felsblöcke, auf denen es sich herrlich herumklettern lässt. Das Abendessen fällt nicht weniger lecker und feudal aus als am Freitag und so essen wir uns richtig satt. Bei 17 Personen im Küchenzelt wurde es auch schön warm und so ließ es sich bis zum Schlafengehen gut aushalten. Um den Sternenhimmel festzuhalten, standen Toby und Lea um kurz vor 3 Uhr auf, um einige Fotos zu machen. Kalt, aber sehr schön!

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Das Aufstehen am nächsten Morgen fiel dementsprechend etwas langsamer aus uns so brauchte es doch einige Zeit, bis die Zelte abgebrochen waren und wir noch ein letztes Mal zum Wandfuß aufstiegen. Leider blieb nicht mehr so viel Zeit zum Klettern, bevor der Van uns abholte und das Gepäck-Tetris von neuem anfing. Doch die Verkehrsregeln sind in Peru nicht besonders streng und so geht ein Wassereimer durchaus als Sitz durch und der Platz im Bus reichte für alle aus. Die Heimfahrt war wesentlich schläfriger als die Hinfahrt, doch einige genossen die Abendsonne, die die Landschaft noch schöner färbte. Die Stadt ist nach den Tagen im Freien überraschend laut und voll und so waren wir froh nach einem schnellen Abendessen und der allüberfälligen Dusche (Achtung Schlammlawine) ins Bett gehen zu können.

Die nächsten Tage werden wir noch für weitere Klettersessions nutzen, bevor wir nächstes Wochenende ein weiteres Klettergebiet erkunden. Ihr dürft also gespannt sein!

¡Hasta luego!

Euer AbenteuerAnden-Team.

Trips in das Anden-Hochland

Gemeinsam stopfen wir uns mit ein paar peruanischen Kindern und unseren Freunden vom CAWAY (insgesamt so etwa 20 Menschen) in ein Colectivo und ab geht’s Richtung Pitec. Vor uns erstreckt sich das trockene weite Andenhochland mit Gräsern, die bis an die Brust reichen, andischen Pinien und zahlreichen Granitblöcken. Auf knapp 4000 m bringen uns die Aufwärmspiele noch immer schnell zum Schnaufen. Trotzdem macht es riesigen Spaß mit den Kindern gemeinsam im hohen Gras herumzutollen. Begleitet von Kolibris und beladen mit Crashpads stapfen wir durch das Grasland und halten an den schönsten Blöcken an, um gemeinsam knifflige Boulderprobleme zu lösen. Den Kindern wird richtige Tritttechnik am Fels gezeigt und zwischendurch ausgiebig gevespert. Nach einem wunderschönen Tag draußen, kochen wir gemütlich zusammen und beenden den Tag mit Gitarrenspielen und noch ausbaufähigem Gesang. Ohne Erfolg versuchen wir der peruanischen Flöte von Javi richtige Töne zu entlocken, lernen dafür jedoch den peruanischen Song „Carinitos“ kennen.

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Am nächsten Morgen geht es wieder früh morgens mit den üblichen Verdächtigen und dem Colectivo in die selbe Richtung. Auf dem Weg zur Laguna Churup betreten wir das erste Mal den Huascaran Nationalpark und erleben mit aller Mächtigkeit die Schönheit des andischen Hochlandes. Dank Jhon wurden wir für den Eintritt kurzerhand nach Peru eingebürgert. Der Weg zieht sich zunächst über eine Moräne, dann entlang eines Tals und schließlich steil hinauf am Rande eines Wasserfalls. Auf über 4000 m finden sich an steilen Hängen noch etwa 20 m hohe, für die Anden typische Bäume. Kurz hinter dem Wasserfall erstreckt sich die Laguna Churup mit türkisblauem klarem Wasser. Hier wird gemütlich gevespert und ausgiebig dünne Höhenluft genascht. Schließlich machen wir uns auf den Weg zu dem zweiten, etwas höher gelegenen See Churupito. Ein kleiner Schneefleck macht eine kurze Schneeballschlacht unvermeidlich. Am Churupito auf etwa 4600 m Höhe kann gut die Hälfte der Gruppe ihren bisherigen Höhenrekord feiern und gleichzeitig immer noch leckere Beeren am Wegesrand finden. Spannend wie unser Körper auf die Höhe reagiert und eine relativ kurze Wanderung ganz schön anstrengend werden lässt. Zur Stärkung suchen wir in Huaraz die besten und kräftigsten Suppen der Stadt auf. Richtig lecker!

In der zweiten Woche unserer Klettersessions lernen die peruanischen Kinder die Slackline kennen, bekommen Sichern und richtige Tritttechnik vermittelt. Außerdem macht Konsti spannende Erfahrungen mit Ceviche (Nationalgericht mit rohem Fisch), welche ihm einige Zeit auf dem stillen Örtchen ermöglichen. Dazu noch ein brandheißer Tipp von Bianca: „Lieber keine gelbe Paprika vom Markt probieren! Es könnte scharf enden.“

Wir sind gespannt, was uns am Wochenende alles erwartet….

Euer AbenteuerAnden-Team.

Alltag in Huaraz

Nach zwei durchaus gut gefüllten Kurstagen mit den Kids aus Huaraz, den ersten kleinen Anflügen eines grippalen Infekts bei diversen Teammitgliedern und nach den schier nicht endenden, neuen Eindrücken, hatten wir uns am Mittwoch eine kleine Pause verdient. Da wir doch alle schwer geschafft waren und die gemeinsame Entscheidungsfindung von Beginn an nicht unsere größte Stärke war, gestaltete sich die Suche nach einem passenden „Ruhetagsprogramm“ doch ein wenig schwieriger als erwartet. Wir einigten uns auf eine kleinere Wanderung zu den heißen Quellen kurz hinter Huaraz, wobei wir einer archäologischen Ausgrabungsstätte (Willkaiwan) zuvor noch einen Besuch abstatteten.

Lea blieb aufgrund ihrer Erkältung im Hostel und schrieb unermüdlich Adressen auf  unsere Postkarten. Der Weg führte uns von unserem Hostel „La Casa de Maruja“ über einige Treppen und einen Pfad in östlicher Richtung den Hang empor. Die Umgebung wurde mit jedem Schritt ländlicher, die Häuser wurden einfacher, die Kleidung der Menschen traditioneller, die Hunde aggressiver und die Blicke der Bewohner in unsere Richtung verwunderter. Nach etwa eineinhalb Stunden erreichten wir die Ausgrabungsstätte. Jhon, der hauptberuflich als Tourguide arbeitet und gleichzeitig Archäologie studiert, brachte uns sehr professionell die Geschichte der Ruine und Peru’s näher. Wir besichtigten eine ca. 1400 Jahre alte Anlage, welche vermutlich als Mausoleum diente. Nach einer sehr informativen Führung und einer langgezogenen Pause marschierten wir weiter nach Norden und passierten nach einem kleinem Abstieg ein Fußballfeld. Da die meisten von uns keine sehr begabten Fußballspieler sind, wurde der Vorschlag von Jhon, beim Fußball mitzuspielen doch relativ schnell verworfen. Nachdem wir einem kleinem Gegenanstieg und ein kleines Dorf passiert hatten, eröffnete sich ein wunderschöner Ausblick auf die riesigen Berge der Cordillera Blanca: Huandoy, Huascaran und Chopicalqui. Ja, man munkelt, dass die Landschaft hier schön ist…

Der Weg führte uns an den Wasserkanälen für die Bewässerung der Felder vorbei und schon konnten wir hinunter auf die heißen Quellen sehen. Nach weiteren zwanzig Minuten kommen wir unten bei den Quellen an und uns wird nach dem notdürftigen Stillen des exorbitant großen Hungers relativ schnell klar, dass wir die heißen Quellen doch bei etwas kühleren Temperaturen bevorzugen würden. Das „colectivo“ war relativ schnell organisiert und nach einer Einheit zum Thema „schnell Einsteigen“ erreichten wir etwa zehn Minuten später die Kreuzung vor dem Hostel.

Nachdem das Wohlbefinden der gesamten Mannschaft durch das Duschen wiederhergestellt war, machten wir uns gemeinsam auf den Weg in die Stadt und lernten dabei noch, dass Taxifahren mit sechs Leuten im Taxi durchaus gut möglich ist. In der Stadt angekommen war erst einmal die Suche nach einem geeigneten Restaurant angesagt. Kurze Zeit später fanden wir uns alle in einem der zahlreichen Etablissements wieder und wir genossen die bemerkenswert schmackhafte und würzige Küche Perus.

Am Donnerstagmorgen fuhren wir nach anfänglichen Schwierigkeiten, da der Taxifahrer unser bevorzugtes Ziel wohl irgendwie doch nicht kannte, in die Stadt. Nachdem wir eine Bäckerei leergekauft und auf dem Unigelände an der Boulderwand gefrühstückt hatten, starten wir mit der „climbing clinic“. Zum ersten Mal stand heute das Klettern am Seil auf dem Plan und nachdem wir einige zusätzliche Griffe in die Wand geschraubt hatten, lief die Sache auch schon wie geschmiert. Nach einiger Zeit wurden die Kinder immer mutiger und zwei der Kids probierten sich schon im Vorstieg.

Der Freitag gestaltete sich ähnlich wie die anderen Kurstage. Nach der Morgensession genehmigten wir uns in der Mittagspause ein „Menú del dia“ und um drei Uhr mittags ging es dann weiter mit den Kursen. Während ein Teil bei den kleineren Kindern mit vielen Spielen und spielerischem Erklären in teils gebrochenem Spanisch versuchte, das Bouldern und Klettern kinderfreundlich zu vermitteln, gaben die anderen bei den Erwachsenen und Jugendlichen ihr Bestes.

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# Vielen Dank an Tendon

Lena, Lea und Maike verließen uns an diesem Tag etwas früher, um für ein typisch deutsches Abendessen einzukaufen. Abends gab es dann Spinatknödel mit Weißkraut und Rahmsoße. Angesichts der Tatsache, dass wir komischen Deutschen die Karotten roh und die Kartoffeln ungeschält essen, war es nicht sehr verwunderlich, dass wir vor dem Abendessen etwas belächelt wurden. Natürlich nur auf eine sehr freundschaftliche Art und so war der Abend ein gelungener Abschluss einer sehr ereignisreichen Woche.

Was wir am Wochenende so getrieben haben, erfahrt ihr in wenigen Tagen.

Euer AbenteuerAnden-Team.

Voll dabei :)

Gestern, am Tag der Unabhängigkeit Peru’s ging es für uns ins Klettergebiet „Los Olivos“. Dieses ist mit dem „collectivo“ (ein öffentliches Nahverkehrsmittel in das auch gut mal 25 Personen reinpassen, anstelle von 9) nur ein Katzensprung von unserem neuen Zuhause entfernt.

Mit einem genialen Blick über Huaraz und der angrenzenden Cordillera Blanca, machten wir unsere ersten Versuche in dem für uns recht ungewohnten Fels. Wir waren sofort begeistert, wie gut es sich am Vulkangestein klettern lässt. Griffige Überhänge und ungewohnte Plattenstrukturen stellten uns vor manch eine Herausforderung, die wir jedoch gut meistern konnten. Es war einfach geil! Die Sonne in der Höhe (~3200m ü. NHN) ist jedoch so stark, dass es uns allen um die Mittagszeit zu hart wurde und wir in einen, laut Jhon (unser peruanischer Freund und Guide), „Schattensektor“ flüchteten. Es stellte sich allerdings heraus, dass es sich um peruanisches Schattenverständnis handelte und somit brutzelten wir weiter in der Sonne, während Jens und Lenka Zuflucht unter einem Kaktus suchten :D.

Nachdem wir uns ausgepowert hatten ging es zu Fuß zurück in die Stadt. Der Weg führte entlang eines Bewässerungssystems wie man es aus dem Wallis oder von Madeira kennt. Superschnell waren wir wieder in der Nähe von bewohnten Häusern und den zugehörigen, überall in Peru zahlreich anzutreffenden, Hunden. Nach einer kurzen Besprechung ging ein Teil der Gruppe zurück in unser „casa“, ein anderer Teil tobte sich auf dem Markt aus. Zu den verrückten Obst- und Gemüsesorten folgt demnächst ein weiterer Post ;).

Am Montag (29.07.) trafen wir zum ersten Mal mit den Kids im „Instituto Technológico“, eine Fakultät der Universität Huaraz. Zu Beginn halfen wir den CAWAY-Mitgliedern beim Matratzen ausladen. Ja richtig, Bettmatratzen wurden flugs als Bouldermatten umfunktioniert, mit einer Plane regensicher abgedeckt und los konnte es gehen.

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Die ersten Berührungsängste wurden mit Namensspielen, Aufwärm- und Koordinationsspielen genommen. Wir stellten jedoch schnell fest, dass es gerade bei den Kids praktisch ist, wenigstens ein paar Wörter Spanisch zu sprechen ;). Um die Mittagszeit wurde es wieder so heiß, dass wir uns ins innere eines kleinen Gasthauses flüchteten. Dort gab es das „menú del día“, in unserem Fall „pollo“ (Huhn) mit „arroz“ (Reis) und „papas fritas“ (Pommes). Sehr reichhaltig und lecker :).

Gestärkt ging es wieder zur Kletterwand. Nachmittags kamen die „großen“ Kids und es wurde zusammen gebouldert. Abends kochte Jhon für uns „yuka rellena“, ein sehr leckeres peruanisches Gericht, welches sich jedoch als sehr aufwendig herausstellte.

Liebe Grüße und bis bald,

euer AbenteuerAnden-Team.