Der erste 5000er

Am Dienstag früh gings endlich los. Voller Vorfreude und Anspannung warteten wir um 6.00 Uhr morgens darauf, dass es endlich los in den Nationalpark Huascarán in der Cordillera Blanca geht. Nach ca 2,5 h einschläferndes Gerüttel im Bus erreichten wir einen gemütlichen Frühstücksort, an dem erstmal gebührend der Tag mit Orangensaft und Cocatee begossen wurde. Circa eine weitere Stunde auf immer unwegsameren Straßen brachten uns durch die Pforte des Nationalparks und hinauf zu unserem Startpunkt. Unsere Fensterscheiben im Bus konnten nicht groß genug sein um die Mächtigkeit der weißen Bergegipfel und Felswände auf dem Weg zu erfassen. Völlig beeindruckt von der gigantischen Umgebung ging es dann endlich zu Fuß los. Wir sattelten unsere Rucksäcke mit Gepäck für drei Tage mitsamt Hochtourenausrüstung. Zum Glück waren nicht all zu viele Höhenmeter bis zum Basecamp (knapp auf 5 000m NHN) zu bewältigen, da sich die Höhe doch bemerkbar machte. Noch am selben Tag errichteten wir unser Lager und checkten die Route für den nächsten Tag auf den Yanapaccha aus. Schon fast im Dunkeln wurden schnell noch eine Ladung Essen gekocht und die Rucksäcke gepackt, da wir Nachts um 1:30 Uhr unsere erste gemeinsame Hochtour in Peru starten wollten. Um die Überraschung auf unserer Seite zu haben, verabschiedete sich einer unserer drei Kocher in hohem Bogen von uns. Auch mit zwei Kochern, kann für neun Leute Essen gekocht werden.

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Nach einer doch eher kurzen Nacht machten wir uns, teilweise noch schlaftrunken, teilweise voller Anspannung auf den Weg. Um den Gipfel zu erreichen musste ein großes Gletscherfeld mit teilweise steilen Zwischenstücken überquert werden, um abschließend auf einem Grad den Gipfel zu erreichen. Dunkelheit und zusätzlich eine eher schlechte Sicht ließen den Weg nicht immer klar erkennen, so entstanden verschiedene Wegvarianten, von denen hinterher keiner mehr sagen konnte, welche letztendlich die beste, bzw. die kürzeste war. Die widrigen Verhältnisse veranlassten zwei Dreier-Seilschaften nach circa der Hälfte den Rückzug anzutreten. Zwei Seilschaften konnten sich trotzdem den Gipfel des Yanapaccha mit 5460m NHN abholen. Die einen euphorisch, die anderen etwas niedergeschlagen wurde den Nachmittag über im Camp gemütlich zusammen im Zelt gesessen und die Tour besprochen, da am nächsten Tag ein weiterer Versuch gestartet werden sollte. Das Wetter sorgte dafür, dass das Zelt den ganzen Nachmittag über kaum verlassen wurde. Abends wurden die Kocher wieder angeschmissen und beinahe eine fünf- Sterneküche gezaubert.

Um 1.30 Uhr brach am folgenden Tag erneut eine dreier Seilschaft auf um sich den Gipfel abzuholen. Mit der Rückkehr dieser schälte sich der Rest der Gruppe aus den Schlafsäcken. Es wurde noch gemeinsam gefrühstückt, dann gings auch schon wieder runter ins Tal und zurück nach Huaraz.

Demnächst gibt`s news über den World-Climbing Day und wie dieser in Huaraz stattgefunden hat 🙂

Beste Grüße,

euer AbenteuerAnden-Team.

Hatun Machay – Schnaufen im höchsten Sportklettergebiet der Welt

Mit dem Colectivo durchqueren wir das trockene, weite Andenhochland der Cordillera Negra. Trockenes Grasland durchzogen von tiefeinschneidenden, mäandrierenden Flüssen und begrenzt von Moränen ziehen an den staubverkrusteten Fenstern vorbei. Weiter hinten am Horizont blitzen immer wieder die schneeweißen Gipfel der Cordillera Blanca hervor. Schließlich schaukeln wir uns eine holprige Straße hinauf und werden dabei in eine dichte Staubwolke eingehüllt.

IMG_9284Vor uns erscheint der kleine Campingplatz von Hatun Machay und bergabwärts treten unzählige Gesteinszapfen hervor, welche das Klettergebiet ausmachen. Wie Pilze scheinen die Felsformationen aus dem Boden zu wachsen. Das vulkanische Gestein bildet bizarre Formen: Spitzen, die wie Finger aus den Gipfeln emporragen, ausladende Wabenwände oder Platten mit feinen Strukturen. Die abwechslungsreichen Felsformationen lassen unsere Kletterherzen höherschlagen. Gleichzeitig werden wir sofort von der einzigartigen Stimmung und der Weite des Andenhochlandes eingefangen. Kühe streifen am Horizont episch durch das hohe Gras und Esel begrüßen uns auf dem Weg zu den Felsen. Die nächsten Tage toben wir uns in den Felsen von Hatun Machay so richtig aus. Auf 4200 m Höhe schnaufen wir uns steile lange Wabenwände hinauf und bekommen viel zu schnell dicke Arme. Trotzdem lässt uns die wunderbare Kletterei nicht los und wir vertreiben uns die Zeit in einer riesigen Kletterspielwiese.

Einfach perfekte Akklimatisation, wie man sie sich nicht schöner vorstellen kann. Wir beißen uns die Zähne auch an kniffligen Plattenproblemen aus oder finden steile lange Genussrouten. Abends wird natürlich wieder ausgiebig gekocht. Um uns in der Höhe auf den Beinen zu halten, bekommen wir „infusiónen“ verabreicht, welche aus einem wohlig warmen Kräutergebräu mit einem Schuss Rum bestehen. Dank der Kraft der „infusiónen“ durchstehen wir die klirrend kalten Nächte und können am nächsten Tag voller Energie neue Kletterprojekte starten.

DSC06992Außerdem bleibt viel Zeit am Felsen, um gemeinsam zu vespern oder einfach herumzualbern. Auch werden die Peruaner in die Kunst des Spätzleschabens eingeführt und bis in die Nacht hinein peruanische Kartenspiele gespielt. „Loco Otcho“ funktioniert eigentlich wie Mau-Mau und wurde von uns mit Regeln, wie Zwischenwerfen und Kartentausch, erweitert. Nach einem letzten erfüllenden Klettertag verlassen wir das kleine Camp gut gelaunt mit lauter Stimmungsmusik und einem Geholper, welches jeder deutschen Achterbahn Konkurrenz macht. Nach einem perfekten Akklimatisationswochenende und viel neuer Energie starten wir nun die Planung und Vorbereitung unseres nächsten Abenteuers in Richtung Yanapaccha.

Euer AbenteuerAnden-Team.

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