Hatun Machay – Schnaufen im höchsten Sportklettergebiet der Welt

Mit dem Colectivo durchqueren wir das trockene, weite Andenhochland der Cordillera Negra. Trockenes Grasland durchzogen von tiefeinschneidenden, mäandrierenden Flüssen und begrenzt von Moränen ziehen an den staubverkrusteten Fenstern vorbei. Weiter hinten am Horizont blitzen immer wieder die schneeweißen Gipfel der Cordillera Blanca hervor. Schließlich schaukeln wir uns eine holprige Straße hinauf und werden dabei in eine dichte Staubwolke eingehüllt.

IMG_9284Vor uns erscheint der kleine Campingplatz von Hatun Machay und bergabwärts treten unzählige Gesteinszapfen hervor, welche das Klettergebiet ausmachen. Wie Pilze scheinen die Felsformationen aus dem Boden zu wachsen. Das vulkanische Gestein bildet bizarre Formen: Spitzen, die wie Finger aus den Gipfeln emporragen, ausladende Wabenwände oder Platten mit feinen Strukturen. Die abwechslungsreichen Felsformationen lassen unsere Kletterherzen höherschlagen. Gleichzeitig werden wir sofort von der einzigartigen Stimmung und der Weite des Andenhochlandes eingefangen. Kühe streifen am Horizont episch durch das hohe Gras und Esel begrüßen uns auf dem Weg zu den Felsen. Die nächsten Tage toben wir uns in den Felsen von Hatun Machay so richtig aus. Auf 4200 m Höhe schnaufen wir uns steile lange Wabenwände hinauf und bekommen viel zu schnell dicke Arme. Trotzdem lässt uns die wunderbare Kletterei nicht los und wir vertreiben uns die Zeit in einer riesigen Kletterspielwiese.

Einfach perfekte Akklimatisation, wie man sie sich nicht schöner vorstellen kann. Wir beißen uns die Zähne auch an kniffligen Plattenproblemen aus oder finden steile lange Genussrouten. Abends wird natürlich wieder ausgiebig gekocht. Um uns in der Höhe auf den Beinen zu halten, bekommen wir „infusiónen“ verabreicht, welche aus einem wohlig warmen Kräutergebräu mit einem Schuss Rum bestehen. Dank der Kraft der „infusiónen“ durchstehen wir die klirrend kalten Nächte und können am nächsten Tag voller Energie neue Kletterprojekte starten.

DSC06992Außerdem bleibt viel Zeit am Felsen, um gemeinsam zu vespern oder einfach herumzualbern. Auch werden die Peruaner in die Kunst des Spätzleschabens eingeführt und bis in die Nacht hinein peruanische Kartenspiele gespielt. „Loco Otcho“ funktioniert eigentlich wie Mau-Mau und wurde von uns mit Regeln, wie Zwischenwerfen und Kartentausch, erweitert. Nach einem letzten erfüllenden Klettertag verlassen wir das kleine Camp gut gelaunt mit lauter Stimmungsmusik und einem Geholper, welches jeder deutschen Achterbahn Konkurrenz macht. Nach einem perfekten Akklimatisationswochenende und viel neuer Energie starten wir nun die Planung und Vorbereitung unseres nächsten Abenteuers in Richtung Yanapaccha.

Euer AbenteuerAnden-Team.

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